Mittwoch 8.9.2010, 21:43 Uhr
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Kolumne: Papi sagt – Mami sagt!

Baby-Know-how

Papi sagt:

 

Mami sagt:

Ich darf gar nicht daran denken:

In wenigen Wochen ist Termin und zu Hause türmen sich die Schwangerschaftsratgeber, Babybücher und Erziehungsbände.

Einige von Ihnen sind empfohlene Standardwerke. Millionenfach verkauft und von zig Millionen zufriedener Eltern wärmstens an mein Herz gelegt. Deswegen liegen diese Titel auch daheim. Ordentlich aufeinander gereiht im Wohnzimmer, griffbereit neben dem Sofa, damit ich schnell mal hinlangen und reinschmökern kann.

Doch trotz all der durchdachten Vorbereitung:

Ich habe die wenigsten begonnen, geschweige denn zu Ende gelesen. Aus diesem Grund versuche ich manchmal, mich selbst zu überlisten, indem ich das ein oder andere Buch wie zufällig aufgeschlagen herumliegen lasse.

Ganz nach dem Motto:

Wenn's schon offen ist, kann ich's auch mal durchblättern.

Aber es hilft alles nichts:

Ich fühle mich überfordert mit den abertausenden Seiten an Ratschlägen, die mir die rundum kompetenten Fachärzte, erfahrenen Hebammen und selbsterklärten Experten zukommen lassen möchten.

Der Informations-Overkill hat mich im Griff.

  • Muss ich denn der Übervater der Nation sein?
  • Ein Spezialist auf dem Gebiet der Geburtsunterstützung?
  • Der nächste Jesper Juul für Erziehungsfragen?
  • Kann ich nicht einfach erst Vater werden – und dann schauen wir mal?

Ich werd's jetzt drauf ankommen lassen. Beim Geburtsvorbereitungskurs hat man mir jedenfalls ein gutes Einfühlungsvermögen attestiert.

Und schließlich ist es sowieso am wichtigsten, dass ich Katja mit meiner Anwesenheit unterstütze. Alles andere passiert auf natürliche Weise und von selbst.

Und wenn unser Kleines auf der Welt ist, sind da sowieso noch all unsere Verwandten, die mich mit den besten Tipps von gestern, heute und übermorgen unterstützen. Ich werde dem nicht entrinnen können. Aber ich kann jetzt erst Mal durchatmen und die letzten Tage zu Zweit genießen. Vielleicht komme ich ja nach der Geburt zum Lesen.

 

Jetzt legt er wieder eines der Bücher aufgeschlagen neben die Kaffemaschine. Als ob das was bringen würde. Er schaut doch sowieso nie rein.

Also ich kann das gar nicht verstehen:

Schon kurz nachdem klar war, dass wir Eltern werden, habe ich mich mit den wichtigsten Büchern versorgt. Genauer gesagt mit den Bestsellern, schließlich will ich genau erfahren, was alle anderen auch wissen.

Torsten hat nur gestöhnt. Gut, ich gebe ja zu, im Laufe der letzten acht Monate ist eine ganze Menge Lesestoff zusammen gekommen – aber ich versuche ja auch nicht, alle Ratgeber innerhalb von vier Wochen gleichzeitig aufzuarbeiten.

Selbstverständlich habe ich eines nach dem anderen gelesen, hab mir Notizen in meine kleine ledergebundene Baby-Kladde geschrieben und weiß jetzt ganz genau, was in meinem Bauch bis zur Geburt passiert.

Auch Begriffe wie PDA und CTG verunsichern mich nicht mehr. Und worauf ich bei der Wahl des Geburtsortes aufpassen muss, hat mich sowieso als erstes interessiert.

Trotzdem, irgendwie wurmt es mich, dass er so gar kein Interesse zeigt.

Wenigstens hat er mich ohne Murren zu den ganzen Arzt- und Beratungsterminen begleitet und war auch beim Geburtsvorbereitungskurs dabei: ich war ziemlich überrascht, wie engagiert er sich dort gezeigt hat.

Naja, die Natur wird unser Baby schon auf die Welt bringen. Oder besser, die Natur mit mir zusammen. Und auch wenn er ein totaler Lesemuffel ist, ich bin froh, dass er mich in den Kreißsaal begleiten will.

Übrigens habe ich ihm erst gestern dieses Vater-Magazin unters Kopfkissen gelegt – vielleicht bringt's ja was...